Wachstumsstörungen

Die angeborenen Fehlbildungen im Kiefer- und Gesichtsbereich entstehen durch Störungen während der Embryonalentwicklung, das heißt in der Frühschwangerschaft. Die Entstehung kann durch äußere Einflüsse (exogene Noxen, zum Beispiel Nikotin, Alkohol) oder innere Einflüsse (endogene Noxen, zum Beispiel beschädigtes/fehlerhaftes Erbgut) bedingt sein.

Diese Wachstumsstörungen, die in unterschiedlich schwerer Ausprägung auftreten können, sind relativ häufig und bedürfen daher der besonderen Aufmerksamkeit des Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgen, sowie auch der Nachbardisziplinen (Neurochirurgie, Pädiatrie, Augenheilkunde, HNO). Krankheitsbilder, die an unserer Klinik schwerpunktmäßig behandelt werden, betreffen die Lippen-Kiefer-Gaumen-Fehlbildungen, vorzeitige Schädelnahtverschlüsse (prämature Kraniosynostosen) und das weite Feld der syndromalen Fehlbildungen.

Die Betreuung unserer kleinen Patienten findet im Rahmen einer Spezialsprechstunde in enger Zusammenarbeit mit der Kieferorthopädie und unserer Logopädin statt. Unser interdisziplinäres Team begleitet Patienten bereits frühzeitig, allerdings gehört auch die Behandlung erwachsener Menschen mit Lippen-Kiefer-Gaumen-Fehlbildung zu unserem Spektrum.

LKG-Spalten

Die Behandlung von Patienten mit Lippen-Kiefer-Gaumen-Fehlbildungen, allgemein als Lippen-Kiefer-Gaumen-Spalte bezeichnet, nimmt an unserer Klinik einen breiten Raum ein. 

Statistisch gesehen stehen diese angeborenen Fehlbildungen hinter den Fehlbildungen des Fußskelettes an zweiter Stelle mit einer Häufigkeit von 1:500 bei lebend geborenen Kindern.

Die zwischen der sechsten und zwölften Schwangerschaftswoche entstehende Entwicklungsstörung der sogenannten Kiemenbögen stellt sich bei der Geburt in unterschiedlicher Ausprägung dar. Neben geringgradigen (rudimentären) Veränderungen wie einem gespaltenen Gaumenzäpfchen (Uvula bifida) oder einer Lippenkerbe, kann es bis zur Ausprägung des Vollbildes einer beidseitigen Lippen-Kiefer-Gaumen-Fehlbildung kommen. Je nach Ausprägungsgrad und -form werden wir mit den betroffenen Familien das Behandlungskonzept abstimmen.

Informationsflyer Lippen-Kiefer-Gaumen-Fehlbildung

Kraniofaziale Entwicklungsstörung

Der Schädel besteht aus mehreren Knochen, deren Kontaktflächen ("Nähte") wichtige Funktionen im Wachstum des Schädels ausüben. Kommt es zu einer vorzeitigen Verknöcherung dieser Nähte (prämature Kraniosynostosen), kann es zu unterschiedlich ausgeprägten Fehlbildungen des Kopfes kommen.

Die am häufigsten auftretenden kraniofazialen Entwicklungsstörungen sind die vorzeitigen Schädelnahtverschlüsse, seltener treten Gesichtsspalten oder Meningo(enzephalo)zelen auf. Bei vorzeitigem Schädelnahtverschluss bleibt die Wachstumshemmung meist nicht auf den Hirnschädel beschränkt, sondern schließt den Gesichtsschädel ein. Hieraus resultieren ästhetische Beeinträchtigungen und funktionelle Auswirkungen.

Bei solch ausgeprägten Fehlbildungen können aufwändige Operationen notwendig werden, in denen der Schädelknochen so umgestellt wird, dass ein normales Wachstum möglich ist.

Nichtanlage

Unter Nichtanlage von Zähnen versteht man das Fehlen von Zähnen bei der Zahnentwicklung. Das kann sowohl bei den Milchzähnen als auch bei den bleibenden Zähnen auftreten. Bei 2,2 Prozent bis 10 Prozent der Bevölkerung fehlt mindestens ein Zahn. Neben dem Fehlen der Weisheitszähne sind es vor allem die zweiten kleinen Backenzähne oder die seitlichen Schneidezähne im Oberkiefer.

Fehlen bis zu sechs Zähne, spricht man von einer Hypodontie. Abhängig von der Position der fehlenden Zähne ist eine kieferorthopädische Behandlung notwendig. Besonders bei Fehlen der oberen Schneidezähne ist die Entscheidung der richtigen Therapiewahl zwischen kieferorthopädischer Lückenschluss oder Implantat von Bedeutung. Je nach Wachstumsmuster ist die eine oder andere Therapie sinnvoll.

Beim Fehlen von mehr als sechs Zähnen spricht man von Oligodontie. Diese Fehlentwicklung des Zahnsystems tritt schon wesentlich seltener auf (circa 0,2 Prozent der Bevölkerung), beeinträchtigt jedoch die Patienten sehr stark, da neben dem Fehlen der Zähne auch der Kiefer und das Gesicht sich nicht normal entwickeln. Die vorhandenen Zähne sind oftmals sehr klein im Vergleich zur durchschnittlichen Zahngröße. Bei diesen Fällen der generalisierten Nichtanlage kann oftmals in Zusammenarbeit mit dem Kieferorthopäden eine Implantatversorgung zum Ende des Wachstumsalters vorbereitet werden.

Das Fehlen von allen Zähnen, die sogenannte Anodontie, ist extrem selten. Auch hier kann durch augmentative Maßnahmen und eine Implantatversorgung das Zahnsystem wiederhergestellt werden.